Archiv des Autors: Adrian Bröking

Über Adrian Bröking

Familienvater, Lehrer und Student der Achtsamkeit

Spuren aus Licht

Achtsamkeit war für mich in den vergangenen Jahren ein vielfacher Türöffner – auch in Richtung Glauben, der mich als Kind geprägt hat und der im Staub meines Ärgers über all das Bedrückend Diesseitige in der Institution Kirche schon fast erstickt war.

In Berlin finde ich nun Menschen und eine Gemeinde, die mir helfen, diesen spirituellen Teil meines Lebens neu zu entdecken. Über sie habe ich auch das folgende Lied kennen gelernt. Seine schlichte Schönheit dringt tief.

In Assoziation dazu drei Bilder, die ich vor einiger Zeit in Maria Regina Martyrum gemacht habe. In der Kirche wird den Opfern der Hinrichtungsstätte Plötzensee gedacht.

Pindo

Spuren aus Licht
durchziehn die Zeit
leuchten bis heute
in Ewigkeit.

Spuren aus Licht
kommen von weit,
strahlen von ferne
in unsere Zeit.

Spuren aus Licht
in Freud und Leid
dringen bis tief
in die Dunkelheit.

Spuren aus Licht
durchziehn die Zeit
leuchten bis heute
in Ewigkeit.

Vom Himmel zur Erde
und wieder zurück.
Gott ist mit uns
jeden Augenblick.

Bestrickter Speerwerfer

Vor einiger Zeit hat der Speerwerfer von Karl Möbius (1921) im Volkspark Wilmersdorf ein unverhofftes Geschenk erhalten.

Guerilla Knitting heißt diese wunderbare, noch recht junge Ausformung von Street Art, die in Berlin immer öfter für kleine Momente der visuellen Freude im Alltag sorgt.

Pindo

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Blossomboarding in Berlin

Das könnte eine Trendsportart in Berlin werden: Blütenbrettfahren oder auch Blossomboarding. Einziges Problem sind die äußeren Bedingungen, die dieses paradiesische Erlebnis nur für wenige Tage im Jahr erlauben.

Pindo

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Auf dem alten Sankt-Matthäus Kirchhof Berlin

Der Alte Sankt-Matthäus-Kirchhof auf der Schöneberger Insel ist einer meiner liebsten Friedhöfe in Berlin. Kürzlich waren wir wieder einmal mit unseren Kindern dort, um den Brüdern Grimm einen Besuch abzustatten und all die faszinierenden Grabsteine aus zwei Jahrhunderten zu bewundern. Besonders beeindruckend und anrührend fanden unsere Töchter den Garten der Sternenkinder, ein Feld von Kindergräbern. Eine gute halbe Stunde gingen sie von Grab zu Grab, ließen die kurzen Lebenszeiten auf sich wirken, berührten Spielzeug, nahmen Murmeln in die Hand, begriffen so neugierig ein wenig von der Endlichkeit des Lebens.

Pindo

Natur in Technik

Immer wieder tauchen in Berlin faszinierende Orte im öffentlichen Raum auf. So auch diese Gleise, Reste eines vor Jahrzehnten stillgelegten Rangierbahnhofs, heute Teil eines neu gestalteten Spielplatzes im Gleisdreiecks-Park.

Pindo

Als Bäume werden wir sanfter sein

Mit Hilde Domins LICHTINSEL begann mein Tag heute. Nachmittags kam mir das Gedicht dann wieder in den Sinn, als Zeuge des sanften Miteinanders von Eiche und Birke am Sakrower See.

PINDO

LICHTINSEL

Mein Schatten
der schmalste einsamste
unter den Toten

Auf der Lichtinsel
streunend
herrenlos

Vielleicht
diese Scharen
vielleicht
unter ihnen
wir
neu ausgesät

Als Bäume
werden wir sanfter sein

Vielleicht
als Bäume

Schöneberger Winterlichter

„Zwischen den Jahren“ entstanden diese Fotos: Ein Baum verfremdet im Licht der Strahler am Rathaus Schöneberg, dazu als Beiwerk illuminierte Büsche im Park.
Pindo

Winter am See

Ungewöhnlich, dieser Winter 2015 – und doch voller kostbarer Momente.
Die Bilder entstanden vergangenes Wochenende am Sacrower See, nördlich von Potsdam. Ein Stück Skandinavien, 40 Minuten vom Kudammtrubel entfernt.
Pindo

(Übrigens: Frühjahrsfotos vom selben Ort finden Sie hier.)

Der Pfad der Achtsamkeit

Der Pfad

Wenn irgendjemand dich fragt, worum es bei dem Pfad geht,
Es geht um Großzügigkeit.
Es geht um Moral.
Es geht um Konzentration.
Es geht um Einsichten durch
fokussierte Selbstbeobachtung.
Es geht um das Kultivieren subjektiver Zustände
von Mitgefühl und Liebe, auf der Basis von Einsicht,
Und es geht um die Übertragung des Mitgefühls
und der Liebe auf Handlungen in der realen Welt.

Shinzen Young

Shinzen Young ist ein renommierter amerikanischer Lehrer für Vipassana-Meditation. Er ist Autor des faszinierenden Meditationssystems Basic Mindfulness, das auch in deutscher Sprache vorliegt. Basic Mindfulness bildet die theoretische Grundlage für die Achtsamkeitstrainings Mind the Music und Modern Mindfulness, die ich mit meinen Schülern einsetze.
Exzellente Einführungen in die gerade für westliche Menschen sehr gut zugängliche Basic Mindfulness gibt z.B. die Achtsamkeitstrainerin Sabine Heggemann aus Lüneburg. Sie bietet Kurse vor Ort oder auch über Telefon. Gerade letztere sind eine zwar ungewohnte, aber sehr spannende Erfahrung. Der nächste Kurs beginnt übrigens in wenigen Tagen. Interessierte finden hier nähere Informationen.

Pindo

„Wir müssen ehrlich mit uns selbst sein“

In den USA brennen wieder Barrikaden, wütende Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Hintergrund ist die  Entscheidung von Geschworenen in Ferguson, keine Anklage gegen einen weißen Polizisten zu erheben,  der einen schwarzen Teenager erschossen hatte.

Am Tag der Entscheidung fand ich auf Facebook einen Text, der mich sehr berührt hat. Er bringt die Trauer und Hilflosigkeit einer Amerikanerin aus einer achtsamen Perspektive zum Ausdruck.

Die Verfasserin ist Denise Casey, Direktorin von Modern Mindfulness, dem Achtsamkeitsprogramm für Schulen, das ich mit meinen Schülern einsetze. Denise hat mir freundlicherweise die Erlaubnis gegeben, den Text ins Deutsche zu übertragen. Ich hoffe, ich werde dem Original einigermaßen gerecht.

Ab hier schreibt Denise in meinen deutschen Worten. Das Original findet sich darunter.

Bitte schau klar auf deine Gedanken zu dem, was in Ferguson passiert ist. Schau klar auf deine Gedanken und spontanen Reaktionen.
Sagen sie: „Da haben wir es wieder mal“, „Diese Leute“, „So was würde ich nie tun. Niemand, den ich kenne, würde je so etwas tun“?
Dies ist nicht der Moment für selbstgerechte Anmaßungen. Es ist keine Schande, wenn wir solche Urteile fällen, aber WIR MÜSSEN EHRLICH ZU UNS SELBST SEIN. Wenn wir beginnen, klar zu sehen, dann können wir Schritte in Richtung Frieden gehen.

Ich wollte dieses Gedicht seit Jahren schreiben.
Ich komme aus einem Ort, wo Autoaufkleber die radikale Antwort auf Völkermord sind
wo Rassismus Schultern zucken lässt, als wäre er das unvermeidliche Ergebnis unserer Existenz
wo Verletzlichkeit eine Seuche ist
und wir eine Geschichte der Vorherrschaft eher einsperren, einimpfen, indoktrinieren, als einen Schritt in ihren müden, schwachen Fußstapfen zu gehen
schon flehen meine Füße die Erde an, mich an ihre Haut zu erinnern
mich daran zu erinnern dass Worte wie diese nicht konstruiert, sondern geatmet werden
dass man nicht auf sie schießt, sondern sie betrauert
man sie nicht ausspricht, sondern lebt
schon zittert mein Herzschlag
die stillen Hohlräume eines Gesprächs, das jeden Raum leer fegt
worüber nie gesprochen wird beim Abendbrot, am Frühstückstisch oder irgendeinem Tisch auf dem Essen steht mit weißem Leinen und Gläsern
streich den irgendeinen Tisch auf dem Essen steht
nein .. es fegt jeden Raum leer.
also, wer wird Ausdruck verleihen
diesen Gedanken
die Verhalten werden die Körper werden die tote Körper werden
die Verhalten werden die Körper werden die tote Körper werden
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie erzeugen Moder und Schimmel und greifen die Lungen gesunder atmender Menschen an, die an sicheren Orten leben,
die Türen schließen und auf schwarze Gesichter zeigen
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie stapeln sich wie ungewollte Worte in Gräben, von denen wir schworen, dass wir sie nie mehr zulassen würden
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie blähen sich auf wie Galle in unseren Eingeweiden
wuchern sich ihren Weg durch eine Generation des Schweigens
und ja, Plantagen mögen die Veranda meines Großvaters sein
aber heute gehe ich langsam durch die dunklen Schatten eines Friedhofs
weil Angst den Schaukelstuhl meiner Selbstgefälligkeit nicht mehr in Bewegung hält
und die kalten, harten Muskeln des sterbenden Körpers meines Großvaters
füttern mich mit dem Mut
zu sagen
dass Hass in meinem Körper lebt
und mich umbringt.

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Please see clearly your reflections to what happened in Ferguson. See clearly your thoughts and instant reactions. Do they say, „here we go again,“ „Those people,“ „I would never do that. No one I know would ever do that.“ This is not the time for self-righteous claims. There is no shame in our judgements, but WE MUST BE HONEST WITH OURSELVES. When we begin to see clearly, then we can take steps towards peace.
i have wanted to write this poem for years.
i come from a place where bumper stickers are the radical response to genocide
where shoulders shrug at racism like it is the inevitable outcome of our existence
where vulnerability is a plague
and we would rather incarcerate, inoculate and indoctrinate a story of supremacy than walk a footstep in her tired, weak soles
already my feet are begging for the earth to remind me of her skin
to remind me that words like these are not constructed but breathed
are not shot at, but mourned
are not spoken, but lived
already my heartbeat trembles
the silent hollows of a conversation that always clears the room,
that’s never spoken about at the dinner table, the breakfast table or any table that serves food with white linens and glasses
scratch that any table that serves food
no…it always clears the room.
so who will give voice
to these thoughts
that become behaviors that become bodies that become dead bodies
that become behaviors that become bodies that become dead bodies.
thoughts do not disappear in shadows
they grow mold and fungus and attack the lungs of healthy breathers that live in safe places,
that lock doors and point to dark faces
thoughts do not disappear in shadows
they pile themselves like unwanted words in ditches we swore we would never let happen again.
thoughts do not disappear in shadows
they line themselves like bile in our gut
cancering their way through a generation of silence
and yes, plantations may be my grandfather’s front porch
but tonight i walk slowly through the dark shadows of a cemetery
because fear will no longer move the rocking chair of my complacency
and the cold, hard muscles of my grandfather’s dying body
feed me the courage
to say
that hatred lives in my body
and it’s killing me.