Archiv des Autors: Adrian Bröking

Über Adrian Bröking

Familienvater, Lehrer und Student der Achtsamkeit

Herbst in Brandenburg

Diese Bilder entstanden vor wenigen Tagen am Mellensee, ca. 30 km südlich von Berlin.

Brandenburg im Herbst, das ist Weite, Farbenpracht, Eintönigkeit, Rufe von Wildgänsen und Kranichen, Himmelreflektionen in einem spiegelglatten See, ein Ort der Achtsamkeit in einem kleinen Kloster, melancholische Ruhe, die sich in mir breit macht.

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Herbstknospe

Eine herbstliche Rosenknopse, gefunden auf einem Besuch bei Freunden im wunderschönen Rheinsberger Land, eine Stunde nördlich von Berlin.

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Herbstfarben am Tag der deutschen Einheit

Es ist faszinierend, dabei zuzusehen, wie der Herbst in die Bäume einzieht. Er sucht sich zunächst die Blätter eines Zweigs aus und breitet sich dann ganz langsam über das gesamte Blattkleid aus. Dieses Bild entstand gestern in Schöneberg.

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Atlantische Farben

Diese Bilder entstanden im Juli und August am Atlantik in Galicien. Die Farben der Wasserlandschaften rufen die Emotionen eines einzigartigen Sommers zurück ins nun schon vom Herbst gezeichnete Bewusstsein.
(Übrigens: Im Winter sieht dieselbe Gegend so aus.)

 

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Lehrer im Frühsommerglück

Ja, mein Beruf ist wunderschön, vor allem in den Wochen vor den Sommerferien, wenn die Arbeiten korrigiert und die Noten eingetragen sind und ich mit meiner Klasse noch einen Abschlussausflug unternehme. Mit der Draisine fahren wir auf einem stillgelegten Bahngleis von Zossen nach Mellensee, südlich von Berlin und dann mit dem Hydrobike aufs Wasser.

Da wird der Geist ruhig, das Auge verschmilzt mit den Blautönen der Umgebung und der See erscheint so unendlich wie der vor mir liegende Sommer.

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Die neuen Leiden der Generation W.

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Vergangene Woche gab ich während der Projekttage an unserer Schule eine Einführung in die Achtsamkeit für Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen, unsere „Kleinen“ also.

Wir experimentierten damit, wie die Beobachtung des eigenen Atems oder eine Reise mit der Wahrnehmung durch den Körper uns helfen kann, im aktuellen Moment zu bleiben. Die Schüler erkannten schnell, dass dadurch die Gedanken und Gefühle, die an andere, nicht aktuelle Momente geknüpft sind, in den Hintergrund treten – und dass dies eine Erleichterung sein kann.

In diesem Zusammenhang kamen wir auch auf unsere Handys zu sprechen. Ich fragte, wie sie die Geräte einschätzten, ob sie uns eher helfen könnten, im Moment zu sein oder ob sie das Gegenteil bewirkten. In der Folge ergab sich eine sehr reghafte Diskussion zwischen den 15 Experten in meiner Runde, die, im Alter von 12-13 Jahren, alle ein Smartphone haben und die es gewohnt sind, über diese permanent in einem Klassen-Chat miteinander in Verbindung zu stehen.

Natürlich haben die Kids kein Bewusstsein davon, dass sie die erste Generation sind, die mit einer solchen digitalen Dauerverbindung zuteinander aufwachsen. Die meisten fanden diese Art der Kommunikation cool oder einfach normal. Einige erzählten aber auch nachdenklich, dass sie es schon anstrengend fänden, dem Dauergeschnatter folgen zu müssen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Und sie berichteten von einem Stressfaktor, den ich so als Jugendlicher definitiv nicht hatte: Alle finden es sehr belastend, dass das Chat-Programm ihnen sofort zeigt, ob ihre Nachricht an einen Freund angekommen ist und ob er diese gelesen hat. Sobald dieses Signal erscheint, beginnt bei ihnen das Warten auf die Antwort. Bleibt sie aus, fühlen sie innere Ungeduld und auch Ärger, der sich dann beim nächsten persönlichen Treffen in einem regelrechten Streit entladen kann: „Warum hast du denn nicht geantwortet? Das fand ich total doof!“ Andererseits fühlen sie sich selbst unter enormem Druck, wenn sie selbst eine Nachricht erhalten, keine Lust haben zu antworten und genau wissen, dass bei ihrem Freund genau die oben beschriebene Reaktionskette abläuft.

Ich war sehr beeindruckt. In meiner Schulzeit war ich mittags immer heilfroh, wenn ich bis zum nächsten Tag aus dem sozialen Gefüge meiner Klasse aussteigen konnte und wieder Privatmensch wurde. Dann konnte ich mich mit meinem Freund verabreden und mich mit ihm ganz darauf konzentrieren, unseren Nachmittag zu genießen. Wir spielten miteinander Fußball, redeten über den Morgen, lästerten auch über andere, waren aber immer bei uns und mit uns allein. Heute haben die Jugendlichen ihr Handy immer dabei und sind darüber fortlaufend im digitalen Netzwerk ihrer Freunde und Feinde mit all ihren Ansprüchen und Gehässigkeiten gefangen.

Wir Erwachsene klagen oft über die permanente Verfügbarkeit, die wir als belastend empfinden, wenn wir über E-mail und andere Kommunikationskanäle auch abends und am Wochenende erreichbar sind. Nun habe ich verstanden, dass unsere Kinder noch einen Schritt weiter gehen, indem sie sich dieser Verfügbarkeit ganz freiwillig und unter dem Druck, cool sein zu müssen, auch in ihrem Privatleben aussetzen.

Dieses neue Leiden der Generation Whatsapp weckt mein tiefstes Mitgefühl.

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Frühsommerliche Farben am Gleisdreieck

Der Park am Gleisdreieck hat es mir wieder einmal angetan. In der gebändigten Wildnis des ehemaligen Bahngeländes findet man viel mehr Blumen als in pestizidbelasteten Feldern rund um Berlin.

Hier ein paar Bilder vom Familienausflug am vergangenen Wochenende. Schön ist, dass meine Töchter beginnen, meinen Blick nachzuvollziehen. Den Farben-Rausch und die Farbspiele des Verfalls haben sie entdeckt.

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Spuren aus Licht … am Loch Maree

Dieses Bild ist 26 Jahre alt. Es entstand am Loch Maree in den schottischen Highlands. auf einer Reise gemeinsam mit meinem Freund Stefan.

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Blind vor Wut

Die Erfahrung von heute morgen steckte mir noch Stunden später in den Knochen. Ich brachte meine Kinder mit dem Auto zur Schule, wobei ich für ca. 300 Meter eine verkehrsberuhigte Zone durchqueren musste. In der Straße ist es sehr eng, es parken immer viele Autos dort und es herrscht trotz der Verkehrsberuhigung reger Verkehr – von Autos und vor allem von vielen Fahrrädern, bei denen die Straße als Ost-West-Schleichweg beliebt ist.

Ich fuhr gerade im Schritttempo in Richtung der künstlich verengten Straßenausfahrt, als es passierte: Ein entgegen kommendes Auto fuhr in die Straße ein, anstatt mich zuerst durch zu lassen, und blieb aufgrund des Platzmangels direkt vor mir stehen. Von hinten kam ein weiteres Auto und ein Fahrradfahrer, der sich in hohem Tempo durch die Lücke quetschte und mich sofort lauthals zu beschimpfen begann.

Ich wusste nicht wie mir geschah, zumal ich alle Verkehrsregeln beachtet hatte und schob das Fenster herunter, um ihn zu fragen, was los war. Er bedachte mich mit den übelsten Kraftausdrücken und schrie mir ins Gesicht, das sei eine Fahrradstraße, ich hätte dort nichts verloren. Dabei zeigte er auf das Schild direkt neben uns, das ganz eindeutig so aussah:

Großansicht: Straßenschild Spielstraße Anfang

Ich war sprachlos, blickte auf das Schild, dann wieder auf den Mann, der ebenfalls auf das Schild sah und mich weiter verbal besudelte.

Ich nahm all meine in den vergangenen Jahren achtsam erworbene Selbstbeherrschung zusammen, gewann bewusst atmend langsam Distanz zu meinen Mordphantasien und konzentrierte mich dann darauf, zu überlegen, wie ich die Frage meiner Tochter beantworten würde: „Papa, der hat Wi**er zu dir gesagt. Was is’n das?“.

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