Archiv des Autors: Adrian Bröking

Über Adrian Bröking

Familienvater, Lehrer und Student der Achtsamkeit

Schönheit ewigen Wandels

An der praia do vilar, am südlichen Rand der Bucht von Noia im spanischen Galicien sind diese Fotos entstanden. Sand und Wasser formen spontan Landschaften und Gemälde, die oft nur für Sekunden Bestand haben – Schnappschüsse von der Schönheit ewigen Wandels .

Pindo

 

… bist du der Brunnenstein

Mal wieder eine Entdeckung bei Meister Rilke:

Wir hören seit lange die Brunnen mit.
Sie klingen uns beinah wie Zeit.
Aber sie halten viel eher Schritt
mit der wandelnden Ewigkeit.

Das Wasser ist fremd und das Wasser ist dein,
von hier und doch nicht von hier.
Eine Weile bist du der Brunnenstein,
und es spiegelt die Dinge in dir.

Rainer Maria Rilke (1872-1926)

Ein kleiner Junge am Strand von Kühlungsborn

Beim Spaziergang am wundervollen Strand von Kühlungsborn experimentierte ich vergangene Woche mal wieder mit meditativem Sehen. Ich lief parallel zum Wasser, genau an der Stelle, wo die Wellen aufs Land trafen und fokussierte, entsprechend Shinzen Youngs Terminologie aus Basic Mindfulness „Sehen Außen“, das heißt, meine visuelle Wahrnehmung der Außenwelt.

Noch Minuten zuvor war ich  in enttäuscht wertenden Gedanken darüber gefangen, wie wenige Muscheln man hier an der Ostsee doch fand.  Meine Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments wurde dadurch deutlich gedämpft.  Doch nun traten die Farben und Formen der Steine unter meinen Füßen immer stärker in mein Gewahrsein. Mein urteilender Geist kam zur Ruhe und ich begann, Stein um Stein in die Hand zu nehmen und jeden einzelnen in seiner individuellen Form, Farbe und Textur zu würdigen. Mit jedem neuen Exemplar intensivierte sich meine Wahrnehmung weiter. Ich tauchte ein in ein Universum aus Rot- Braun-, Gelb- und Grautönen, Kanten und Rundungen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Nach einer Stunde wogen meine Jackentaschen schwer unter den vielen Steinen, die ich mit nach Hause nehmen wollte, Steine, denen ich sonst vermutlich keine größere Beachtung geschenkt hätte.  Doch nun war ich erfüllt von der inneren Haltung des Anfängergeistes, ein kleine Junge, der zum ersten Mal am Meer  – und vollkommen überwältigt ist.

Pindo

Am Strand von Kühlungsborn

Blütenblätterburg

Vor unserem Haus steht eine Gruppe von Kirschbäumen, die uns bis vor Kurzem mit ihrer rosa Blütenpracht erfreut hat.
Nun ist der Zauber vorbei und die Blütenblätter werden auf dem Boden zu Staub.
Zuvor kommen sie jedoch noch einmal zu neuen Ehren – als Baumaterial für eine Burg, die meine siebenjährige Tochter heute mit einem Freund aufgetürmt hat.
Pindo

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Empathie und der Sinn des Lebens

Jules, eine Leserin aus Kanada, die dort als Kinder- und Jugendpsychologin arbeitet, hat mich auf die faszinierende Arbeit von Brené Brown hingewiesen.

Brené Brown ist Sozialwissenschaftlerin an der Universität Houston. Sie erforscht unser Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen. Laut Brown ist es DAS Gefühl, für das wir leben, das unserem Leben einen Sinn gibt.

In dem unten stehenden, sehr gelungen animierten Video spricht Brown über Empathie und Mitleid (engl.: sympathy). Dies sind zwei Haltungen, die viele Menschen miteinander vermengen, die jedoch gravierend unterschiedliche Konsequenzen haben: Während Empathie uns mit anderen Menschen verbindet – und so sinnstiftend wirkt, hat Mitleid die gegenteilige Konsequenz. Sie wirkt trennend.

Empathie, die Fähigkeit, mit einem anderen Menschen zu fühlen, setzt vier einzelne Teilfertigkeiten voraus:

  • die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen
  • sich dabei eines Urteils zu enthalten
  • die Gefühle des Anderen zu erkennen
  • darüber kommunizieren zu können.

Voraussetzung für empathisches Verhalten ist, dass wir mit uns selbst in Kontakt sind. Wir können erst dann angemessen auf das Gefühl des Anderen reagieren, wenn wir es auch in uns selbst wahrnehmen.

Für den Anderen ist dann gar nicht so sehr das entscheidend, WAS wir ihm sagen. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Gefühl der Verbundenheit, das wir ihm mit unserer empathischen Reaktion vermitteln.

Hier wird deutlich, warum Achtsamkeit so gut tut und wieso ein Achtsamkeitstraining für Kinder und Jugendliche so wichtig ist: Wir trainieren dort nichts anderes als die Teilfertigkeiten der Empathie und ermöglichen ihnen damit ein sinnhaftes, erfülltes Leben.

Pindo.

Farbsymphonische Kontraste am Hohenzollernplatz

Am Hohenzollernplatz werfen die Kirschbäume verschwenderisch ihre Blütenblätter hunderttausendfach zu Boden.
Keine 30 Meter entfernt verblüfft den Betrachter nicht minder das geometrische Farbenspiel in der Kirche am Ort.
Berlin – auch hier eine Stadt der Kontraste.
Pindo

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Meditatives Sehen: Eine Formel für Schönheit

Ein Ausflug nach Beelitz – Entdeckung auf dem Friedhof des Dorfes Schönefeld: Schönheit = (Eisen + Holz+ Wasser) *Zeit

Pindo

Frühling …

… Licht, Wachsen, Entwicklung, Neugier, … ein Blatt im Park
Pindo

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Yin und Yang tief im galicischen Westen

Noia ist ein kleines, verschlafenes Hafenstädtchen mit großer Vergangenheit an der galicischen Westküste. Im Mittelalter kamen viele Jakobspilger dort mit dem Schiff an, um ins nahe gelegene Santiago de Compostela weiter zu ziehen.

An der Westtür von San Martiño, der gotischen Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert, findet sich diese bemerkenswerte Holzarbeit.

Pindo

Kirchentür in Noia - Galicien

Sich konzentrieren ist wie … Tubaspielen!

„Was tue ich, wenn ich lernen möchte, die Tuba zu spielen?“

Mit dieser Frage leitete Soryu Forall auf einem Retreat vergangene Woche in Lüneburg-Heiligenthal eine Reflexion ein, die mich immer noch elektrisiert. Die Antwort ist einfach: „Ich spiele die Tuba!“ Die sich anschließende Frage lautet: „Und was muss ich tun, wenn ich lernen möchte, mich zu konzentrieren? – Na klar, ich konzentriere mich!!

Verblüfft Sie die Analogie? Mich inzwischen nicht mehr. Ich habe in den vergangenen Monaten erfahren, dass Konzentration tatsächlich nicht etwa eine FÄHIGKEIT ist, die einige Menschen aus mysteriösen Gründen mehr haben als andere.  Es handelt sich vielmehr um eine FERTIGKEIT, die man relativ einfach erlernen kann, indem man sie immer wieder aufs Neue trainiert.

Den Weg hierzu kann etwa Modern Mindfulness weisen, ein Training zur achtsamen Wahrnehmung für Jugendliche , das auf Shinzen Youngs Ansatz der Basic Mindfulness basiert.

Shinzen Young erklärt achtsames Wahrnehmen als das Zusammenwirken der drei Faktoren Konzentration, Klarheit und Gelassenheit.

Unter Konzentrations-Kraft können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, das zu fokussieren, was Sie zu einer bestimmten Zeit für relevant halten. Unter Sinnes-Klarheit können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, den Überblick über das zu behalten, was Sie im jeweiligen Moment erfahren. Unter Gelassenheit können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, den Sinnes-Erfahrungen zu erlauben zu kommen und gehen, ohne sie abzulehnen oder zu unterdrücken. (Shinzen Young, 5 Wege sich selbst besser kennen zu lernen, S. 9, Übersetzung: Sabine Heggemann)

Das Trainieren der Konzentrationskraft ist vom Prinzip her sehr einfach: Ich wähle einen oder mehrere Bereiche meines Wahrnehmungsapparats (Sehen-Hören-Fühlen),  richte ihn/ sie auf ein Objekt oder ein Ereignis innerhalb oder außerhalb von mir und halte die gewählte  Wahrnehmung so gelassen wie möglich aufrecht.

Mögliche Objekte der Wahrnehmung sind all die Dinge, die wir außerhalb von uns sehen, hören und fühlen, unsere Körperwahrnehmungen sowie unsere Gedanken (in Form innerer Bilder und Stimmen) und Emotionen.

Stelle ich schließlich fest, dass meine Gedanken begonnen haben, in die Vergangenheit oder Zukunft zu wandern,  was in der Regel sehr schnell passiert, nehme ich dies ruhig zur Kenntnis und kehre gelassen zum Objekt der Betrachtung zurück.

Dies ist der Kern des Konzentrierens als Lernvorgang: Ich fokussiere, werde abgelenkt, nehme dies wahr und kehre gelassen zum Fokus zurück, werde wieder abgelenkt, nehme wahr, kehre zurück, zehnmal, hundertmal, tausendmal, …

Soryu erwähnt in seiner Reflexion zwei weitere wichtige Punkte:

  1.  Konzentration als Fertigkeit nimmt auf exponentielle Weise zu. So hat man zunächst kaum den Eindruck, dass sich etwas ändert, mit der Zeit intensiviert sich die Konzentrationskraft dann aber in immer kürzerer Zeit immer mehr.
  2. Das Konzentrieren im beschriebenen Sinne erzeugt eine positive Feedbackschleife, die beim Übenden ein intensives Wohlgefühl auslöst. Konzentrierte Menschen sind also glücklicher.

Überlegen Sie bitte für einen Moment, wie oft Sie in Ihrem Leben  als Eltern, Töchter, Söhne, Lehrer/innen oder Schüler/innen schon folgenden Satz gehört oder selbst gesagt haben: „Mensch, jetzt konzentrier dich doch mal!“ – meist begleitet von einer ziemlich ausgeprägten Ungeduld.

ABER: Hat Ihnen jemals ein Menschen gezeigt, wie das geht – oder haben Sie dies getan?

Eingangs schrieb ich, dass mich Soryus Frage zum Tubaspielen elektrisiert hat. Warum? Für mich ist die Erkenntnis zum „Konzentrieren lernen“ vielleicht die wichtigste in meinem Lehrerdasein. Seitdem ich mit meinen Schülerinnen und Schülern und inzwischen auch einigen Kolleginnen und Kollegen Achtsamkeit übe, erfahren wir alle Tag für Tag, wie gut dies tut, uns und unserer Umwelt.

Achtsamkeit enthüllt hier ihre wahrlich transformierende Kraft.

Pindo.